Detail

Detail

Zum Tag des Schlafes 21. Juni: Schlaf trägt zur psychischen Gesundheit bei, er sollte stärker präventiv genutzt werden

Schlaf trägt aktiv zu unserer psychischen Gesundheit bei. Ergebnisse einer Zürcher Studie stützen die Theorie «Schlaf, um sich zu erinnern und Schlaf, um zu vergessen»: Schlaf hilft nicht nur, sich besser an Erlebnisse zu erinnern. Er unterstützt auch das Vergessen der negativen Anteile einer Erinnerung. Von Dr. phil. Alfred Künzler, Netzwerk Psychische Gesundheit Schweiz

 

Wir verbringen einen grossen Teil unseres Lebens im Schlaf. Was passiert in unserem Hirn während des Schlafs? Tatsächlich sind die konkreten Funktionen des Schlafs und die zugrundeliegenden physiologischen Prozesse noch nicht vollständig aufgeklärt und daher im Fokus aktueller Forschung. Klar ist jedoch inzwischen, dass der äussere Ruhezustand während des Schlafs täuscht. Tatsächlich laufen in dieser Zeit multiple Prozesse im Gehirn ab. Einige dieser Prozesse könnten protektiven Einfluss haben und einen Beitrag zur psychischen Gesundheit liefern.

Schlaf unterstützt die Merkfähigkeit

Zum einen unterstützt der Schlaf aktiv die Verarbeitung der Erlebnisse des Tags. Genauer werden während des Schlafs Gedächtnisinhalte reaktiviert und verfestigt. Inzwischen gibt es eine Reihe von faszinierenden Studien, die zeigen, dass wir neu gelernte Gedächtnisinhalte nach Schlaf besser abspeichern, als wenn wir nach dem Lernen wach bleiben. Dieser Effekt wurde noch nach mehreren Jahren beobachtet. Also können wir uns spezifische und neue Informationen besonders gut merken, wenn wir sie uns vor dem Schlaf einprägen. Schlaf sorgt zusätzlich für die Integration neuen Wissens und neuer Gedächtnisinhalte in bereits bestehende Netzwerke, was ebenfalls einen protektiven Effekt unterstützen kann.

Im Schlaf Negatives vergessen (Emotionsregulation)

Forschungsarbeiten haben zudem gezeigt, dass im Schlaf nicht nur eine Verfestigung und Integration neuer Erinnerungen vollzogen wird, sondern auch negative affektive Inhalte abgebaut werden. Gemeint sind Prozesse, welche die einer Erinnerung zugehörige affektive «Hülle» abbauen. Vor allem der REM-Schlaf ist daran beteiligt, also die Schlafphase, bei der schnelle, richtungslose Bewegungen des Augapfels bei geschlossenen Lidern zu beobachten sind. Der REM-Schlaf unterscheidet sich in vielen Punkten von den anderen Schlafphasen. Einer davon ist, dass die aus dieser Phase geweckten Versuchspersonen von Träumen berichten. Auch hier gibt es einen eindeutigen Zusammenhang zur psychischen Gesundheit: Schlaf, vor allem REM-Schlaf, hilft bei der Verarbeitung von Stress und negativen emotionalen Eindrücken und Erfahrungen.

Stärkung der Abwehrkräfte

Schlaf hat eine Reihe protektiver Funktionen, von denen hier zwei – die Verfestigung von Gedächtnisinhalten und die Emotionsregulation (Negatives vergessen) – thematisiert wurden. Eine weitere ist die physiologische Stärkung des Immunsystems, da nachts besonders viele immunaktive Stoffe ausgeschüttet werden. Durch viel Schlaf könnten somit auch Abwehrkräfte gestärkt werden. Moderne – und möglicherweise gestresste – Menschen neigen zu immer kürzerem Schlaf. Genau das Gegenteil ist angezeigt: Schlafförderung könnte bei Risikopersonen, beispielsweise Ersthelfern, die häufig mit Stress und traumatischen Ereignissen konfrontiert sind, aktiv eingesetzt werden, um die negativen Auswirkungen auf ihre Psyche abzumildern.

Die dritte Säule eines gesunden Lebens

Schlafstörungen sind häufig. Studien zeigen eindeutig, dass der Einfluss auf die Lebensqualität und das reibungslose Funktionieren unseres Organismus, insbesondere des Gehirns, gross ist. Dementsprechend sollten wir eine gute Nachtruhe, neben einer ausgewogenen Ernährung und regelmässiger Bewegung, als dritte Säule einer gesunden Lebensweise betrachten.

Die American Academy of Sleep Medicine empfiehlt eine tägliche Schlafzeit von mindestens sieben Stunden für Erwachsene. In der Empfehlung werden reduzierte Schlafzeiten mit Bluthochdruck, Herzerkrankungen und Schlaganfall sowie Depressionen in einen Zusammenhang gebracht. Ein erholsamer Schlaf ist somit sehr wichtig für die psychische und körperliche Gesundheit: einerseits für die Regeneration und andererseits für unser Wohlbefinden.

 

Der Text stellt Auszüge aus Artikeln von José Haba-Rubio und Birgit Kleim dar, veröffentlicht im Psychoscope 3/2018, mit freundlicher Genehmigung der FSP.  www.psychologie.ch/psychoscope