Bündnis

Depressionen werden oft missverstanden. Wie Diabetes und Bluthochdruck ist eine Depression nicht Ausdruck persönlichen Versagens, sondern eine Erkrankung, die jede/jeden treffen kann, unabhängig von Beruf, Alter und sozialer Stellung. Manchmal ist sie nur schwer von einer alltäglichen Verstimmung oder einer Lebenskrise zu unterscheiden. Die meisten depressiven Patientinnen und Patienten können erfolgreich behandelt werden. Wird die Krankheit nicht erkannt, führt dies zu unnötigem Leiden und zur Selbstgefährdung des Betroffenen, im schlimmsten Falle zur Selbsttötung.

Zwischen 2000 und 2002 entwickelte ein Forschungsteam des Deutschen Kompetenznetzes Depression, das auf vier Interventionsebenen basierende Aktionsprogramm «Bündnis gegen Depression». Die wissenschaftliche Evaluation des Interventionsprojekts in Nürnberg (BRD) zeigte, dass das Aktionsprogramm die Versorgungs- und Lebenssituation depressiver Menschen verbessern kann. Das gemeindeorientierte Aktionsprogramm konnte sich in Deutschland rasch in anderen Landesregionen etablieren.

In der Schweiz hat der Kanton Zug zusammen mit der Selbsthilfeorganisation «Equilibrium» und dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) das Aktionsprogramm «Bündnis gegen Depression» im Jahr 2003 - 2005 erfolgreich eingeführt und gezeigt, dass das Modell mit leichten Anpassungen auf die Schweiz übertragen werden kann.

Das Konzept und die Schulungsmaterialien, grafische Unterlagen, Broschüren, Videos und Evaluationsunterlagen sind an Nutzungs- und Lizenzrechte gebunden. Um das Vorgehen zu vereinfachen, hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Nutzungsverträge für die ganze Schweiz bis ins Jahr 2021 mit dem Deutschen Kompetenznetz Depression, Leipzig abgeschlossen und gibt sie gegen Unterzeichnung einer Vereinbarung kostenlos an interessierte Bündnisanbieter weiter.

Im Rahmen des Public Health Programms der Europäischen Union beteiligen sich 18 europäische Länder in der European Alliance against Depression (EAAD). Die Schweiz ist als Gastland integriert. Die Mitglieder im EAAD verzichten auf ein zusätzliches Sponsoring durch die pharmazeutische Industrie.

©BAG